Abstract submission for the XX ISA World Congress of Sociology is open until 30 September 2022.
The congress will be held at Melbourne from 25 June to 1 July 2023.

XX ISA World Congress of Sociology

I’m organizing three sessions for this congress and invite everybody to subit abstracts to thesse sessions. The first is about

Organizing Against Authoritarianism in the Platform and on-Demand Economy

Platform work is a new form of authoritarian organization based on the illusion of “neutral” management through artificial intelligence (AI). Amazon for example, advertised as AI the services provided by its poorly paid crowdworkers in its crowdsourcing website Mechanical Turk. In all forms of platform work the power relations between clients, workers and platform providers are obfuscated by the intermediation of algorithmic management creating the illusion that work processes are optimised on purely technical grounds.

Workers in the platform and on-demand economy have organized in many countries against this new work regime. Their bottom-up organizing is most often based on coalitions of labour, community and interest groups. In some cases, workers have set up platform cooperatives to gain control over their working conditions, remuneration and business decisions as well as over the algorithms used by the platform.

In order to improve working conditions in the platform economy it is important to tackle the imbalanced power relations between clients, platforms and workers. Public debate is increasingly focusing on the status of platform workers either as employees protected by existing labour laws or on basic labour rights for self-employed freelancers. Furthermore, platform workers are fighting for information and participation rights with regard to the design and application of the algorithms that control their jobs and work processes.

This session invites communications on how platform workers organize with a focus on their recent social movements and demands, how they tackle imbalances of power, and how they can achieve democratic participation regarding algorithmic management.

RC10 Participation, Organizational Democracy and Self-Management (host committee)

Language: English, French and Spanish
Session Type: Oral

Session Organizers:

  • Stefan Lücking, Hans-Böckler-Stiftung, Germany
  • Isabel da Costa, CNRS, France

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Acatech-Debatte: Fit for Future Work: Von Arbeit in Arbeit – Mitarbeitenden zukunftsfähige Beschäftigungsperspektiven bieten

Am Donnerstag, dem 21. Juli 2022, nehme ich an der nächsten Debatte im Rahmen der Acatech-Reihe Fit for Future Work teil.

Gemeinsam wollen wir darüber diskutieren, wie Digitalisierung den Übergang „von Arbeit in Arbeit“ unterstützen kann und wie sie die Arbeit verändert. Anhand praktischer Beispiele wollen wir aufzeigen, wie die Digitalisierung neue Chancen für Arbeit schafft, wie Unternehmen mit der Veränderung umgehen und welche Rahmenbedingungen erforderlich sind.

Mit mir diskutieren:

- Dr. Thomas Ogilvie, Deutsche Post DHL Group, Mitglied des Vorstands, Bereich Personal, Arbeitsdirektor
- Dr. Ariane Reinhart, Continental AG, Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit
- Prof. Dr. Jutta Rump, Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen (IBE), Direktorin

Die Moderation übernimmt Frank Riemensperger aus dem acatech Präsidium

Virtuelle Deabtte am Donnerstag, 21. Juli 2022, von 17:00 bis 18:30 Uhr.
Anmeldung bei Acatech.

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Bei meinen Wanderungen durch die Provence fällt mir immer wieder auf, wie viele Spuren die Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der Landschaft hinterlassen hat. Ein Beispiel dafür ist die Chapelle du Paty, deren Geschichte auf einer Informationstafel eher angedeutet als erzählt wird, durch die Landschaft drum herum aber lebendig wird.

Chapelle du Paty 2022

Vor dem Hintergrund der Streitigkeiten zwischen der französischen Krone und dem Vatikan um die Oberherrschaft über das Comtat Venaissin beschließt der Gemeinderat von Caromb im Juni 1693, das Gebiet von Paty zum Gemeindeland zu machen. Der Grundherr ist nicht sonderlich begeistert davon und klagt dagegen.

Es beginnt ein jahrelanger Rechtsstreit, der dadurch verkompliziert wird, dass auf dem Gebiet Menschen leben, die das Land seit Generationen ohne Genehmigung bewirtschafteten und deshalb auch nie irgendwelche Abgaben dafür entrichtet haben. Es rückt die Frage in den Vordergrund, ob diese Bauern eine Pacht zahlen müssen oder nicht. 1706 schließlich entscheidet der Gerichtshof der päpstlichen Kurie, dass die Bauern keine Pacht zahlen müssen, sondern nur eine Steuer von 20 % auf die Erträge, die in dieser kargen Gegend nicht sonderlich hoch gewesen sein dürften.

Zum Dank für diesen Erfolg vor Gericht wird auf dem Hügel eine Kapelle errichtet und eine Marienstatue aufgestellt. Während der Revolution wird sie von revolutionären „Volkskommissaren“ verwüstet und verfällt in den Folgejahren. 1820 wird eine neue Kapelle errichtet, die aktuell restauriert wird. Nur die Marienstatue stammt noch von der ursprünglichen Kapelle aus dem 18. Jahrhundert.

Der juristische Erfolg, für den die Kapelle errichtet wurde, schien keine nachhaltige Wirkung gehabt zu haben. Zwischen 1764 und 1766 wurde im Tal unterhalb der Kapelle ein Stausee errichtet, der für die Wasserversorgung der Gemeinde Caromb und die Bewässerung der weiter unten gelegenen landwirtschaftlichen Nutzfläche genutzt wurde. Auf den Hügeln von Paty weideten später Hirten mit ihren Herden. Davon zeugen zahlreiche Hütten und Gehege aus übereinander geschichteten Steinen. Dieses Trockenmauerwerk sieht so primitiv aus, als käme es aus der Steinzeit. Tatsächlich wurde es erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Heutzutage wird diese Art von Mauerwerk als ökologisch sinnvolle und schützenswerte Form der Feldbegrenzung angesehen.

In 20. Jahrhundert war es auch mit der Schafzucht zu Ende; es wurde ein Wald angepflanzt. Die Hügel und der See von Paty sind heute ein beliebtes Ausflugsziel. Die Spuren der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Geschichte sind hier besonders deutlich. Aber wenn ich genauer hinsehe, dürfte ich sie auch anderswo entdecken.

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Gestern Abend hat nach dem jüdischen Kalender das Jahr 5782 begonnen. Es ist ein Sabbatjahr. Irgendwie hat auch mein eigenes Sabbatical erst gestern Abend so richtig begonnen, als ich am Lac du Saint-Agnan saß und auf Twitter die Neujahrsgrüße der Jüdischen Allgemeinen las.

Lac de Saint-Agnan 2021
Blick auf den Lac de Saint-Agnan im Burgund

Das Gebot des Sabbatjahrs hat mich immer fasziniert. Es ist einer der Gründe, warum ich mir nun selber ein Sabbatjahr gönne — auch wenn es eine rein individuelle Lösung ist, die mit dem biblischen Sabbatjahr nur wenig zu tun hat. Denn das war eine soziale Angelegenheit im doppelten Wortsinn. Das Sabbatjahr ging die gesamte Gesellschaft an und zielte auf die Überwindung sozialer Ungleichheit. Das Buch Exodus ergänzt das Gebot, das Land im siebten Jahr „brach liegen zu lassen und nicht zu bestellen“ um folgende Weisung:

Die Armen in deinem Volk sollen davon essen, den Rest mögen die Tiere des Feldes fressen. (Ex 23,11)

Die Fassung im Buch Deuteronomium geht noch weiter. Dort heißt es:

Und so lautet eine Bestimmung für die Brache: Jeder Gläubiger soll den Teil seines Vermögens, den er einem andern unter Personalhaftung als Darlehen gegeben hat, brachliegen lassen. Er soll gegen den andern, falls dieser sein Bruder ist, nicht mit Zwang vorgehen; denn er hat die Brache für den Herrn verkündet. (Dtn 15,2)

Das Gebot der Brache im Sabbatjahr richtet sich in gleicher Weise gegen die Ausbeutung von Natur und Mensch. Es adressiert damit die großen Herausforderungen unserer Zeit: die ungebremste Ausbeutung der Natur, die zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen führt, was wir an den Folgen des Klimawandels immer deutlicher erfahren, und die wachsende soziale Ungleichheit, die vor allem durch die Finanzmärkte vorangetrieben wird.

Mein eigenes Sabbatical erfahre ich dagegen eher als Privileg. Ich kann es mir leisten, weil ich genug verdiene, um es „anzusparen“, und weil ich in einer Organisation arbeite, die eine Betriebsvereinbarung dazu hat. Hoch lebe die Mitbestimmung!

Aber warum nicht das Sabbatjahr als kollektive Angelegenheit wiederbeleben? Als Recht für jede und jeden, alle sieben Jahre für ein Jahr eine Auszeit zu nehmen? Als Regel für die Schonung unserer natürlichen Lebensgrundlagen? Als Gebot, gegen die fortschreitende Konzentration der Vermögen einzuschreiten und die Finanzmärkte wirksam zu regulieren?

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