Datum

Lücking, Stefan:
Verbindlichkeit ohne System : Dietmar Mieths Konzept einer »Modellethik«.
In: Hengsbach, Friedhelm ; Emunds, Bernhard ; Möhring-Hesse, Matthias (Hrsg.): Jenseits Katholischer Soziallehre : Neue Entwürfe christlicher Gesellschaftsethik. Düsseldorf : Patmos, 1993, S. 129–148.
ISBN 3-491-77932-4

Dieser Aufsatz aus dem Band »Jenseits Katholischer Soziallehre« stellt Dietmar Mieths Konzept einer »Modellethik« im Hinblick auf dessen Relevanz für eine christliche Sozialethik dar. Dazu werden im ersten Schritt die »Ausgangspunkte«, d. h. die theoretischen und praktischen Hintergründe, skizziert, von denen aus Mieth sein Konzept entwickelt. Im zweiten Schritt wird das Konzept der Modellethik selbst erörtert, bevor es abschließend anhand eines Artikels von Mieth kritisch darauf befragt wird, wie es sich in der gesellschaftsethischen Reflexion einsetzen lässt.

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Kategorien Theologie

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Lücking, Stefan:
Mimesis der Verachteten : eine Studie zur Erzählweise von Mk 14,1–11.
Stuttgart : Verlag Katholisches Bibelwerk.
(Stuttgarter Bibelstudien ; 152)
ISBN 3-460-04521-3

Die Erzählkunst des Markusevangeliums ist in den letzten Jahrzehnten immer stärker ins Interesse exegetischer Forschung gerückt. Diese Studie versucht einen Zugang über den Begriff der »Mimesis«, wie er in der aristotelischen Poetik entwickelt wird.

Mimesis – so nennt Aristoteles die Herstellung von Tragödien und Epen. Er versteht sie als einen kreativen Prozess, durch den die Dichter die Welt des menschlichen Handelns nach poetischen Regeln neu gestalten und gerade so eine genuine Erkenntnis des wirklichen Lebens ermöglichen.

Die Analyse von Mk 14,1–11 zeigt auf, mit welchen literarischen Mitteln der Evangelist seine Mimesis betreibt und wie er durch die Konstruktion seiner Erzählung den Zugang zu einer neuen Wirklichkeit eröffnet. Theologisch ist es die Wirklichkeit des schmählich am Kreuz gestorbenen Messias, sozial die der Namenlosen, Ungebildeten und Verachteten, die Jesus auf seinem Weg begegnen.

» Mimesis der Verachteten (Manuskript)

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Kategorien Biblische Exegese, Erzähltheorie

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Lücking, Stefan:
Wie aus der SMV die SV wurde.
In: Gymnasium Adolfinum – Schola Meursensis : 1582–1982. Moers : Brendow, 1982, S. 207–210.
ISBN-3-87067-168-8

Als Mitglied der Schülervertretung durfte ich einen Beitrag zur Festschrift meines Gymnasiums leisten. Ich nutzte dies zu einer Kritik an der damals aktuellen Fassung des Schulmitwirkungsgesetzes. Aus der »Schülermitverwaltung« war die »Schülervertretung« geworden. Aus meiner Sicht war dadurch der Aspekt der Mitbestimmung verloren gegangen.

Angesichts dessen, dass ich 30 Jahre später Leiter des Referats »Mitbestimmung im Wandel« bei der Hans-Böckler-Stiftung geworden bin, zeugt dieser frühe Text von einer erstaunlichen Kontinuität meiner Interessen.

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Kategorien Mitbestimmung

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Für die Erfassung und Darstellung von Texten in nicht-lateinischen Schriften gibt es den internationalen Standard Unicode. Obwohl dieser Standard gerade für die exegetische Arbeit mit der Bibel viele Vorteile bietet, haben sich bei Bibelprogrammen und anderen Hilfsmitteln für die biblische Exegese noch lange Sonderlösungen gehalten. Während meiner Zeit an der Universität Münster habe ich nicht nur in meinen Seminaren auf die Vorteile von Unicode hingewiesen, sondern auch eine eigene Internetseite dazu eingerichtet.

Gen 1,1 in der SBL BibLit
Gen 1,1 in der Schriftart SBL BibLit

Inzwischen sind die Informationen, die ich damals gesammelt habe, restlos veraltet. Unicode hat sich so sehr durchgesetzt, dass wir es kaum noch merken. Die Argumente, die für Unicode und gegen die viel zu lange dominierenden proprietären Lösungen sprechen, gelten jedoch für jede Form offener, herstellerunabhängiger Standards.

Warum Unicode?

  • Kompatibilität: Unicode erleichtert den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Programmen und Plattformen.
  • Konsistenz: Durch Unicode lassen sich hebräische und griechische Texte eindeutig identifizieren und als solche nutzen.
  • Erweiterbarkeit: Viele andere Standards wie OpenType, HTML, XML, OpenDocument und Microsofts Office OpenXML bauen auf Unicode auf.
  • Nachhaltigkeit: Unicode ist zukunftssicher. Wer Dokumente langfristig archivieren will, muss auf Standards wie Unicode setzen.

Kompatibilität

Als internationaler Standard ermöglicht Unicode den problemlosen Austausch von mehrsprachigen Texten zwischen verschiedenen Betriebssystemen und Anwendungen. Ob Windows, Mac oder Linux – hebräische, griechische syrische und andere Texte lassen sich dank Unicode inzwischen problemlos austauschen.

Unicode-Texte können auch dann richtig gelesen werden, wenn man nicht über die gleiche Schriftart verfügt, in der das Dokument ursprünglich gespeichert wurde. Das Design des Textes ist dann zwar nicht mehr das gleiche, aber hebräischer und griechischer Text ist dennoch korrekt lesbar. Vorbei sind die Zeiten, wo ich für Texte, die ich von Kollegen zugeschickt bekomme, erst einmal die passende Schriftart installieren musste.

Inzwischen ist Unicode so weit verbreitet, dass jedes aktuelle Betriebssystem, jeder Internet-Browser, jedes E-Mail-Programm und fast alle Textverarbeitungsprogramme mit Unicode umgehen können.

Konsistenz

In Unicode erhält jedes Schriftzeichen – gleich welcher Schrifttradition – eine eindeutige Kodierung. Einen in Unicode gesetzten Text kann die Textverarbeitung deshalb eindeutig identifizieren und entsprechend behandeln. So kann sie bei hebräischen oder arabischen Texten automatisch die Schreibrichtung wechseln. Sie kann das passende Wörterbuch für die Rechtschreibprüfung auswählen oder – wenn es nicht vorhanden ist – zumindest die deutsche Rechtschreibprüfung ausschalten.

Nicht in Unicode gesetzte griechische oder hebräische Texte erscheinen programmintern dagegen nur als Zeichensalat und können deshalb Probleme verursachen.

Erweiterbarkeit

Viele andere moderne Standards bauen auf Unicode auf:

  • Ein großer Teil der Kommunikation im Internet läuft inzwischen über Unicode. Sowohl HTML ab Version 4.0 als auch XML ab Version 1.0 bauen auf Unicode auf.
  • Das OpenType-Format bietet eine bessere Handhabung von Schriftarten. Neben typographischen Feinheiten wie Ligaturen und echten Kapitälchen enthält es auch Informationen darüber, wie Akzente und Punktierungen richtig positioniert werden.
  • Auch die neuen auf XML basierenden Dateiformate für Office-Anwendungen (OpenDocument und Microsofts Office Open XML) setzen auf Unicode auf.

Nachhaltigkeit

Unicode gehört die Zukunft. Immer mehr Programme setzen auf Unicode. Und als internationale Norm ISO/IEC 10646 ist Unicode unabhängig vom Schicksal eines einzelnen Herstellers. Deshalb werden in Unicode gesetzte Texte auch in vielen Jahren noch lesbar sein.

Es mag zwar immer noch Programme geben, die Probleme mit Unicode haben. Aber in wenigen Jahren wird es wahrscheinlich schon umgekehrt sein. Dann werden die ersten Programme auf Konvertierungsroutinen für die alten 8-bit-Zeichensätze verzichten.

Sonderschriften wie die von BibleWorks sind für Internetseiten schon jetzt ungeeignet, weil man nicht voraussetzen kann, dass jeder sie installiert hat. Unicode-Texte dagegen werden vom Browser richtig angezeigt – unabhängig davon, welche Schriftart installiert ist.

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Unicode und biblische Exegese (Zip-Archiv)
Die alten Internetseiten zu Unicode und biblischer Exegese als Zip-Archiv.
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Kategorien Paralipomena

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Im Jahr 2002 hat sich in Schleswig-Holstein die 1dok-Initiative mit dem Ziel gegründet, eine Art »Din A4« für Office-Dokumente zu entwickeln, einen »offener Standard für den freien und ungehinderten Austausch elektronischer Dokumente über das Internet«.

Inzwischen wurde dieses Ziel auf anderen Wegen erreicht. Die internationale Organisation OASIS hat mit OpenDocument ein solches Format entwickelt und erfolgreich bei der ISO als Standard angemeldet, eben der Organisation, die auch das deutsche DIN A4-Format unter dem Titel »ISO A4« internationalisiert hat. OpenDocument ist als »ISO/IEC DIS 26300« tatsächlich zu einer Art »Din A4« für Office-Dokumente geworden.

Überhaupt nicht zufrieden mit dieser Entwicklung ist das Unternehmen Microsoft, das bislang den Markt für Office-Anwendungen mit seinen eigenen Dateiformaten dominiert. Als Reaktion auf OpenDocument hat Microsoft für die nächste Generation von MS Office ein eigenes Dateiformat entwickelt, das nicht nur auf den gleichen Grundprinzipien wie OpenDocument aufbaut (eine Sammlung von XML-Dateien in einem Zip-Archiv), sondern auch dessen Namen imitiert: »Office Open XML« (OpenDocument sollte ursprünglich »OpenOffice XML« heißen). Außerdem hat Microsoft sein Dateiformat einer anderen Standardisierungsorganisation vorgelegt, der ECMA – nicht zuletzt deshalb, weil die Europäische Union in Zukunft nur standardisierte Dateiformate verwenden will. Die nächsten Jahre werden entscheiden, welches dieser beiden »offenen« Dateiformate zum zukünftigen de facto Standard für Office-Dokumente werden wird.

Was nur wenige wissen: Neben Software-Unternehmen wie Adobe, IBM, Novell und Sun und freien Software-Projekten wie KOffice war auch die Society of Biblical Literature (SBL) in Person von Patrick Durusau in dem Komitee vertreten, das den OpenDocument-Standard entwickelt hat. Grund genug also nachzufragen, was die SBL dazu bewegt hat, an der Entwicklung von OpenDocument teilzunehmen, und welche Vorteile OpenDocument für ExegetInnen bietet.

Welche Position haben Sie in der SBL? Und welche Rolle spielen Sie im technischen Komitee der OASIS für das OpenDocument-Format?

Patrick Durusau: Inzwischen bin ich nicht mehr bei der SBL. Ich war dort von 2000 bis Mai 2005 Leiter für Forschung und Entwicklung. Zur Zeit arbeite ich für eine Software-Firma in Colorado, auch wenn ich immer noch in Covington, Georgia, wohne.

Beim technischen Komitee für das OpenDocument-Format war ich von Anfang an und bin vor kurzem Vorsitzender des Sub-Komitees für die Metadaten geworden, dessen Ergebnisse im nächsten Jahr im OpenDocument-Standard veröffentlicht werden sollen.

Außerdem wurde ich vor kurzem zum Projekt-Herausgeber für die Version des OpenDocument-Formats ernannt, die als internationaler ISO/IEC-Standard anerkannt worden ist. Als Projekt-Herausgeber bin ich dafür verantwortlich, die endgültige Version des Standards zu erstellen, die von der ISO/IEC veröffentlicht wird.

Warum hat sich die SBL an der Entwicklung des OASIS-OpenDocument-Formats beteiligt?

Patrick Durusau: Die SBL hat sich an der Entstehung und der weiteren Arbeit des technischen Komitees beteiligt, um die Stimme einer wissenschaftlichen Organisation bei der Entwicklung von Office-Software zu Gehör zu bringen, die auch unter WissenschaftlerInnen benutzt wird.

Es ist zu spät darüber zu klagen, dass diese oder jene Software-Funktion, die von WissenschaftlerInnen benötigt wird, fehlt – Jahre nachdem die Standards und die Software, die auf diesen Standards basiert, geschrieben wurde. Der Zeitpunkt, um die Anliegen der wissenschaftlichen Community vorzubringen, ist, wenn Software-Standards wie OpenDocument entworfen werden.

Welche Funktionen des neuen Formats waren für die SBL besonders wichtig?

Patrick Durusau: ExegetInnen haben Jahrzehnte damit vergeudet, sich auf immer wieder geänderte proprietäre Formate einzustellen, und viel zu viele Forschungsergebnisse sind dadurch verloren gegangen oder nur noch schwer zugänglich. OpenDocument ist ein offenes auf XML basierendes Format, das die Mittel zur Verfügung stellt, um zu verhindern, dass ältere Arbeiten wegen der Änderung von Software-Programmen oder Dateiformaten verloren gehen.

Zu Erklärung: ein offenes XML-Format bedeutet, dass Dateien, die gemäß dem OpenDocument-Standard erstellt wurden, mit normalen XML-Werkzeugen lesbar bleiben. D. h., dass selbst wenn alle Software-Programme die im Augenblick OpenDocument-Dateien lesen und schreiben können – wie OpenOffice, StarOffice und viele andere – plötzlich morgen aufhören zu existieren, können die OpenDocument-Dateien, die damit gespeichert wurden, immer noch mit normalen XML-Werkzeugen gelesen werden. Und sie bleiben auch nächstes Jahr lesbar oder im nächsten Jahrzehnt oder sogar in hundert Jahren und mehr.

Diese dauerhafte Lesbarkeit ist nicht so sehr ein Aspekt von OpenDocument, sondern des XML-Standards, auf dem es basiert. Aber OpenDocument bietet ein Dateiformat, das die gebräuchlichsten Funktionen von Office-Software unterstützt.

Gibt es Aspekte des OpenDocument-Formats, die auf Vorschläge der SBL zurückgehen?

Patrick Durusau: Ja, die SBL hat vorgeschlagen, die Funktion der Dokumenten-Eigenschaften (»Metadaten«) gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag um die Möglichkeit zu erweitern, mehrere AutorInnen anzugeben – was in wissenschaftlichen Texten immer häufiger der Fall ist – und eigene benutzerdefinierte Eigenschaften zu ergänzen. Gerade benutzerdefinierte Metadaten sind für ExegetInnen besonders wichtig, weil die üblichen Metadaten in Office-Dokumenten keine Felder für viele Informationen vorsehen, die WissenschaftlerInnen gerne mit dem Dokument abspeichern würden, z. B. zu Transkripitonen und Übersetzungen.

Welche Vorteile bietet OpenDocument für die biblische Exegese?

Patrick Durusau: Der wichtigste Vorteil – neben der Verfügbarkeit freier Software, die OpenDocument unterstützt – ist der Gebrauch von XML als grundlegendes Format für OpenDocument-Dateien. Vor allem deshalb, weil WissenschaftlerInnen dadurch vor der Notwendigkeit bewahrt werden, ihre Dateien in ein neues Format zu übersetzen, nur weil die Software-Version gewechselt hat. Wenn man bedenkt, was WissenschaftlerInnen an Artikeln, Büchern, Unterrichtsmaterialen und anderen Dingen produzieren: Wer hat schon Zeit, alle diese Dateien zu aktualisieren?

Welche Vor- und Nachteile bietet OpenDocument im Vergleich zum zukünftigen »Office Open XML«-Format von Microsoft Office 2007?

Patrick Durusau: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Erstens wurde »Office Open XML« erst vor kurzem der ECMA zur Standardisierung vorgelegt und ist noch nicht vollständig. Der letzte Entwurf umfasst etwas mehr als 4 000 Seiten und die abschließende Version soll 6 000 bis 7 000 Seiten enthalten. Solange OOXML noch nicht in der endgültigen Form vorliegt, ist es schwierig, einen sorgfältigen Vergleich beider Standards durchzuführen.

Abgesehen von den technischen Aspekten der beiden Standards, ist zu beachten, das OpenDocument von sehr verschiedenen Unternehmen und wissenschaftlichen Gruppen über einen Zeitraum von mehreren Jahren in einem offenen Standardisierungsprozess entwickelt wurde. Die gesamte Arbeit wurde in einem offenen Prozess erledigt, der von jedem eingesehen werden konnte, der ein Interesse an der Entwicklung hatte.

Die ECMA ist eine angesehene private (also von Unternehmen getragene) Standardisierungsorganisation mit einer langen Geschichte. Zwar werden die Entwürfe zu OOXML veröffentlicht, aber es ist zu beachten, dass es für die Arbeit in dieser Organisation keine öffentliche Mailing-Liste gibt, um die Arbeit an diesem Standard zu diskutieren. Außerdem ist zu beachten, dass wenn der Standard Ende des Jahres vervollständigt ist, kaum ein Jahr vergangen ist, um einen Standard von 6 000 bis 7 000 Seiten zu produzieren. Da stellt sich die Frage, wie viel eine Organisation – unabhängig von dem vorschlagenden Unternehmen – tatsächlich zu solch einem Standard beigetragen haben kann.

Eine andere Frage, die erst mit der Zeit beantworten werden kann, ist, ob OOXML so komplex und umfangreich werden wird, dass sich die Zahl derer, die den Standard übernehmen, auf 1 beschränkt. Im Unterschied dazu ist OpenDocument neben Sun, von dem es herkommt, schon jetzt von einer Vielzahl von Gruppen übernommen worden, wie z. B. IBM und anderen Software-Unternehmen als auch von Open-Source-Software-Projekten.

So viel ich weiß, wird bereits an einem OpenDocument-Plugin gearbeitet, das mit dem aktuellen MS Office läuft und den Anwendern die Möglichkeit gibt, nicht nur OpenDocument-Datein zu öffnen, sondern OpenDocument sogar als Transfer-Format für Dateien aus verschiedenen MS-Office-Versionen zu nutzen.

Ursprünglich erschienend im Biblischen Forum unter der Adresse: http://www.bibfor.theoconsult.de/?p=40
Noch verfügbar im Internet-Archiv.

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Kategorien Biblische Exegese, Offene Standards